HOME

America`s Geschichte!
Oder: „Was ist Liebe?“

Im Prinzip weiß ich noch gar nicht wie ich diese Geschichte beginnen soll. Zu viele Eindrücke stürzten in den letzten Tagen, in den letzten Stunden auf mich ein.
Bild Wenn Ihr Euch alle noch erinnern könnt, AMERICA, eine schwarze Galga kam an Ostern zu mir nach Luxemburg in Pflege.
Sehr schnell stellte sich heraus, zwischen America und mir war etwas besonderes. Es war anders als bei den anderen Hunden, als bei meinen Pflegehunden oder stationären Patienten.
Egal wo ich war America war immer bei mir!
Bild Es wurde mir klar, der Abnabelungsprozess könnte sehr lange dauern und viel Kraft und Geduld benötigen. Vor allen Dingen, eine Familie zu suchen, die dieses aufbringt, wird nicht einfach werden.
Als sie nach längerer Krankheit (Giardiose, Leishmaniose grenzwertig) wieder langsam auf den Damm kam, begann ich mit der Arbeit, sie zu entwöhnen. Schwieriges Unterfangen, aber nicht unmöglich, dachte ich!
Sie kam in die Zeitung unter der Rubrik „Wer gibt mir Nestwärme“, viele Anrufe kamen, viele Anfragen, aber lange nicht die richtige Familie. Doch plötzlich... kam eine Frau, die ihr und mir ein besseres Leben für AMERICA versprach. Es blieb nur leeres Gerede, nach der Aufklärung über Leishmaniose und Giardiose war die „Tierliebe“ vorbei, da man sich plötzlich ekelte! Wie gut das America noch nicht vermittelt war.
Ein zweites Mal in der Zeitung kam eine Familie, da wusste ich gleich, „Die ist es“!!!
Wunderbare Menschen! Die Liebe zu America hab ich sofort gespürt!
Sie kamen America besuchen, dann fuhr ich zur Vorkontrolle, später lernte America ihr neues Zuhause kennen. Zwei Whippets warteten bereits auf sie. Bild
Ich habe mit der Familie alles abgeklärt, sie auf alles aufmerksam gemacht, auch das America es schwer haben wird von mir fortzugehen (mir viel es auch unheimlich schwer, nur sagen wollt ich nichts).
Bild Wir sprachen alles durch. Die Familie entschloss sich AMERICA dennoch aufzunehmen und waren voll motiviert diese Aufgabe zu meistern.
Ich fuhr AMERICA gestern in ihr neues Zuhause, wir waren uns einig, wir versuchen es, ich verabschiedete mich schnell und betete „Lieber Gott lass alles gut gehen“; obwohl mir bewusst war, dass sie dort in guten Händen ist. Abends rief ich die Familie an und sie bestätigte mir, es ist alles Ok! Ein bisschen muss America weinen, aber nicht schlimm!
„Dem Himmel sei DANK!“ Ich war sehr froh!
Dennoch weinte ich mich in den Schlaf, AMERICA fehlte mir sehr, nie zu vor hab ich dies so empfunden wie bei ihr.
Heute morgen, machte ich mir Mut, alles ist gut. Kein Anruf nichts, America gewöhnt sich ein und ich habe wieder Platz für ein weiteres armes Geschöpf!
Da klingelte das Telefon...
„Frau Däsch, schnell, schnell AMERICA ist verschwunden!“
Ich ließ den Hörer fallen, setzte mich ins Auto und fuhr, ich weiß nicht mehr wie, einige Dörfer weiter zur Familie!
Aufgelöst kam mir die Familie entgegen. Sie berichtete mir, heute morgen hätte sie angefangen zu weinen, wollte durch das geschlossene Fenster, suchte eine Möglichkeit zu fliehen. Lief immer und immer wieder auf den Platz, an dem ich am Tag zuvor saß und weinte und heulte wie ein Wolf!

Die Frau der Familie wollte nur einen Schlitz die Haustür aufmachen, um die Post entgegenzunehmen... und America war weg.
Bild Sie erklärten mir welchen Weg sie gelaufen ist, durch die Wiese, in den Wald, genau in Richtung Perlé!
Ich lief und lief und lief. Erinnerte mich an die Tage zuvor, wo ich mit America lernte, dass sie auf Zuruf zu kommen hat und auf meine Hundepfeife hören muss. Ich rief im Wald ihren Namen, benutzte ununterbrochen meine Pfeife. Es regnete in Strömen, die Familie die mitlief, war schon im Begriff aufzugeben, da kam sie...
AMERICA... lief mir entgegen!!! Mitten im Wald lag sie mir plötzlich in den Armen.
Ich trug sie zurück. Sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und ich sagte zu ihr... „Jetzt wird alles gut!“
Bild Die Familie half mir sie ins Auto zu bringen und ich fuhr zurück in die Praxis. Dort untersuchte ich sie, gab ihr etwas zur Beruhigung und ließ sie schlafen. Vor einer Stunde war die Familie da und hat mit mir gesprochen. Sie lieben America sehr, aber das was sie heute erlebt haben, zeigt ihnen was wahre Hundeliebe ist, erklärten sie.
Sie meinten, wenn ich nicht gleich gekommen wäre, hätte America sich auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach ihrer „Pflegemama“ für die sie durchs Fenster gesprungen wäre und für die sie eine Familie verließ, die es sehr gut mit ihr meinte.
Wir haben noch lange geredet und zusammen geweint. Als die Familie wieder nach Hause fuhr, sagte mir die Frau zum Abschied: „Ein roter Faden hat sich zwischen Ihnen liebe Frau Däsch und America gesponnen und diesen kann keiner mehr zerschneiden!“ „Nehmen Sie America, niemand anders soll sie mehr haben!“ „America würde für sie sterben!“